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taz berlin, 28.07.2000

Wer im Callcenter aufmuckt, fliegt raus

Beschäftigte werfen Tochterunternehmen der Zweiten Hand vor, »Tagelöhnerverträge« unterschreiben zu müssen

Nach der Kündigung von sechs Beschäftigten kam es gestern in der AudioService GmbH, der Callcenter-Tochter der Zweiten Hand, zu einem Eklat. »Verlassen Sie sofort das Haus!« Mehr Worte hatte Geschäftsführer Markus Broschk nicht übrig für eine Beschäftigtendelegation, die ihm zuvor einen Protestbrief überreicht hatte. In dem Schreiben, das von 16 Betroffenen unterzeichnet wurde, erklären die Beschäftigten, dass sie der Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen nicht zustimmen werden. Zudem fordern sie Vermittlungsgepräche zwischen Geschäftsführung und Belegschaft. Einen Betriebsrat gibt es in der Firma mit rund 70 Mitarbeitern nicht. Broschk lehnte gestern jede Stellungnahme ab.

Hintergrund des Streits sind die neuen Abrechnungsbögen der Mitarbeiter. »Das sind Tagelöhnerverträge«, sagte ein Mitarbeiter. Gemäß einer Rahmenvereinbarung werden seit Anfang Juli so genannte Tagesarbeitsverhältnisse abgeschlossen. Wörtlich heißt es auf dem Bogen: »Das befristete Arbeitsverhältnis beginnt mit der für den jeweiligen Tag angegebenen Beginn Uhrzeit und endet automatisch mit der angegebenen Beendigungszeit, ohne dass es einer Kündigung bedarf.«

Dagegen hatten mehrere Beschäftigte protestiert, sechs waren daraufhin entlassen worden. Die Arbeitsbedingungen seien in dem Callcenter, das unter anderem den BVG-Club und eine Siemens-Ausbildungshotline betreut, ohnehin sehr schlecht, so ein Mitarbeiter. »Wir haben keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keinen bezahlten Urlaub, keine Zuschläge für Nachtarbeit.« AudioService blieb vom Protest unbeeindruckt. Gestern Nachmittag wurde einem weiteren Mitarbeiter gekündigt.

Richard Rother

taz Berlin lokal Nr. 6204 vom 28.7.2000, Seite 20



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