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junge Welt, 15.02.2001
Interview

Jetzt Chance für Betriebsrat bei Hotline GmbH?

jW sprach mit Tim Herudek, ehemaliger Mitarbeiter der Berliner Hotline GmbH

(Er und weitere Kolleginnen und Kollegen wurden fristlos gekündigt, nachdem sie versucht hatten, in dem Call-Center einen Betriebsrat zu bilden)

F: Die entlassenen Mitarbeiter der Berliner Hotline GmbH hatten angekündigt, gegen ihre fristlose Kündigung vorzugehen. Wie ist der Stand?

Die 21 entlassenen Mitarbeiter haben Kündigungsschutzklage eingereicht, klagen somit auf Wiedereinstellung. Seitens der Geschäftsführung des Call- Centers kam bis jetzt noch keine offizielle Reaktion. Wir erwarten aber in dieser Woche noch eine.

F: Anlaß für die Entlassungen war das Bestreben, einen Betriebsrat zu gründen. Hat sich die Haltung der Geschäftsführung des Unternehmens in dieser Hinsicht geändert, gibt es diesbezügliche Signale?

Etwas hat sich geändert. Nachdem wir entlassen worden waren, gab es doch noch eine Einladung zu einer vorbereitenden Versammlung. Mitarbeiter, die sich zuvor vehement gegen einen Betriebsrat ausgesprochen hatten, trafen sich, um doch noch einen Wahlvorstand zu wählen. Und es wurde tatsächlich auch ein solcher Vorstand gewählt. Dies ist der erste Schritt in Richtung Betriebsrat, weil dieser Wahlausschuß dann eine Betriebsratswahl vorbereiten muß. Insofern wird die Hotline GmbH sich daran gewöhnen müssen, daß es in naher Zukunft einen Betriebsrat in ihrer Firma geben wird.

F: Gibt es unter den noch tätigen Kolleginnen und Kollegen eine solidarische Haltung zu den gefeuerten Mitarbeitern, oder ist das Thema für die Belegschaft abgehakt?

Nein, das ist nicht abgehakt, im Gegenteil. Es gab am Ende der besagten Betriebsversammlung noch eine Petition, die von der gesamten Belegschaft unterschrieben wurde. Diese ging an die Geschäftsleitung mit der Bitte, die Entlassenen wieder einzustellen. Dazu hat sich das Management allerdings noch nicht offiziell geäußert. Wir vermuten aber, daß es in den nächsten Tagen oder Wochen zumindest mit einzelnen ehemaligen Mitarbeitern Gespräche bezüglich einer Wiedereinstellung geben wird. Mit allen aber mit Sicherheit nicht.

F: Das heißt, es wird voraussichtlich nach vermeintlich Guten und Bösen selektiert?

Richtig, ich persönlich rechne jedenfalls nicht mit einem Gespräch zur Wiedereinstellung.

Interview: Klaus Fischer



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