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06.07.00

Manuskript für den Vortrag an der FU Berlin am Donnerstag, 6. Juli 2000, 18 Uhr

Ort: Rostlaube (Habelschwerdter Allee 45), Raum K 29/19

StudentInnen im Call Center

Wir haben euch hier eingeladen zu der Veranstaltung, um zweierlei zu thematisieren: (a) die Realität der Erwerbsarbeit von Studenten, (b) die Tendenz der Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse generell, beides am konkreten Beispiel von Jobs in Call Centern. Danach geht es (c) um die Frage, was können wir dagegen tun und um unsere Erfahrung von Organisierungsversuchen.

Es geht uns zum einen darum, euch direkt als StudentInnen anzusprechen, als direkt Betroffene von einer vielleicht schleichenden aber nichtsdestotrotz stetigen Entwicklung, was die eigene Lebenssituation anbetrifft, in Hinsicht des Bestreitens des eigenen Lebensunterhalts (technisch: Reproduktionsbedingungen). Damit meine ich die jeweiligen Erscheinungsformen, wie sich unsere Lebensrealität ändert, in Hinsicht auf eine neue Unübersichtlichkeit der Perspektiven, in Hinsicht auf eine zunehmende Anzahl von Leuten, die von der sog. Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse betroffen sind, zusammen mit natürlich auch »Gewinnern« der Entwicklung sowie auch positiven Aspekten, die auch vorhanden sind, etwa die subjektive Wahrnehmung neuer (Entscheidungs-, Gestaltungs-) Freiräume. Die angesprochene Tendenz hat, soweit es um StudentInnen geht, dabei zwei Aspekte:

Erstens: stetig sinkende Förderquoten beim BAföG1, Verschärfung der Förderkriterien (Studienfachwechsel ...), unrealistische Bedarfsberechnungsgrundlagen, unrealistische Regelstudienzeiten, Umwandlung in Darlehen u.s.w. Ein wachsender Anteil der StudentInnen lebt in dauerhafter Abhängigkeit von den Eltern2, ein nicht unwesentlicher Teil fällt unterhalb von der Armutsgrenze; der Anteil der finanziellen Selbstversorgung der Erwerbsarbeit wächst3. Also stehen Studis immer deutlicher vor der Wahl: entweder Doppelbelastung Job + Studium oder Studium ganz an den Nagel hängen. Dabei sind Studenten einer besonderen Zwangslage ausgesetzt, da sie nicht zur Not auch auf Sozialhilfe zurückgreifen können, auch Zusatzleistungen wie Wohngeld sind hier eher zu vernachlässigen. Wo der Anspruch auf Hilfe zum Lebensunterhalt ansonsten dem Effekt nach eine Art gesetzlichen Mindestlohn darstellen kann (in offiziellen Stellungnahmen ist hier immer von Anreiz zur Arbeitsaufnahme die Rede), fällt dieser Mechanismus für Studis flach (in dieser Hinsicht vergleichbar mit illegal Beschäftigten). D.h., wenn es hart kommt, müssen Studis jeden Scheißjob annehmen.

Es kommt aber noch ein anderer Aspekt hinzu: (zweitens:) die gesetzlichen Bestimmungen, wie sie für Studis gelten. Die Bestimmungen sind so wie sie sind, da bislang Erwerbstätigkeit von StudentInnen als eine Art regelmäßige Ausnahme betrachtet wurde, als Zuverdienst für ansonsten vorhandene finanzielle Ausstattung. Aus dieser Ausnahme ist faktisch aber eine Regel geworden. [Zahlen] Diese gesetzlichen Bestimmungen sind euch sicher wohlbekannt:

[Weniger bekannt, arbeitsrechtliche Bestimmungen, die für studentische Beschäftigte ebenso gelten wie für andere, dazu später.]

(Auch bekannt dürfte sein, das die Sozialversicherungsbeiträge anteilig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber geleistet werden. So können Arbeitgeber also direkt Kosten sparen, wenn sie StudentInnen beschäftigen.)

[Nebenbemerkung: Berechnungsgrundlage von Rentenbeiträgen bildet der Bruttolohn. Da dieser aber wegen dem Prinzip brutto fast gleich netto niedriger ist, fallen auch mögliche spätere Rentenansprüche niedriger aus.]

Weil Studi-Jobber inzwischen eine volkswirtschaftlich relevante Größe sind, ergibt sich die Situation, daß die Studi-Jobber in direkte Konkurrenz zu den anderweitig Beschäftigten treten. Auch zu den 630 Mark-Beschäftigten. Bei vergleichbarer absoluter Lohnhöhe (also Bruttolohn), sind Studis billiger, da sie ihre finanziellen Leistungen zur sozialen Absicherung »freiwillig« abtreten. Dafür haben sie eben keine Absicherung bei Jobverlust oder Krankheit oder vielleicht auch Prüfungsstreß. Sie sind also ein ideales Beispiel des flexiblen Arbeitnehmers. Flexibel v.a. in dem Sinne, daß sie immer zur Verfügung stehen, wenn sie bei guter Auftragslage und Produktionsspitzenzeiten benötigt werden, bei flauer Lager aber gleich freigesetzt werden können, und nicht weiter bezahlt werden müssen. Studis sind von ihrer Beschäftigungsform her also immer schon dem Scheinselbständigen angenähert.

Dabei treten die StudentInnen faktisch als Lohndrücker auf das Spielfeld (des Arbeitsmarktes). Denn in der Regel verfügen Studis ja bereits über eine Sockelfinanzierung, die sie dann eben noch aufstocken. So können sie es sich leisten zu Konditionen (hinsichtlich Bezahlung, Regelmäßigkeit und sozialer Absicherung) zu arbeiten, die andernfalls unzumutbar wären. Dieses ungleiche Verhältnis zwischen studentischen und nicht-studentischen Arbeitnehmern wird allerdings damit gerechtfertigt, daß StudentInnen dadurch eben indirekt subventioniert werden (insbes. durch die Befreiung von der Lohnsteuer) und Arbeitgeber einen Anreiz bekommen, StudentInnen zu beschäftigen.

Hinzu kommt, daß die flexiblen, eher kurzfristig angelegten oder jedenfalls Nicht-Vollzeit-Anstellungen den Bedürfnissen von Studis entgegen kommen. Auch Sozialbeiträge, insbesondere diejenigen, die Arbeitslosengeldanspruch begründen, sind ja nicht im Interesse von StudentInnen, da dieser Absicherung natürlich notwendig eine Arbeitsverpflichtung gegenüber stehen würde (denn sonst wäre ja nicht klar, in welchem Fall man arbeitslos ist).

Andererseits zeichnen sich Studi-Jobber auch dadurch aus, daß sie formell nicht ausgebildete Arbeitskräfte sind, Hilfsarbeiter also, die keinerlei Tarifgruppe angehören4. Dementsprechend fällt so etwas wie Gewerkschaftszugehörigkeit tendenziell gleich außer Betracht - v.a. bei wechselnden Tätigkeiten). Dieses Gesamtbild aus schlechter Absicherung, flexibler Einsetzbarkeit und dem Tragen von unternehmerischem Risiko durch die abhängig Beschäftigten ist es, was gemeinhin auch mit dem Prädikat der Prekarisierung bezeichnet wird. Dieses Phänomen ist ein gesamtgesellschaftliches, wenngleich den Studis hier sowohl eine Vorreiterrolle als auch eine besondere Ausprägung dieser Rolle zukommt. Was Flexibilität in der eigenen Studi-Perspektive heißen kann und oft auch heißt, darauf kommen wir vielleicht später zurück (in der Diskussion). Die vielfältigen Beschäftigungsformen, die unter die Kategorie der prekären (oder atypischen ) Beschäftigung zu fassen sind, sind einerseits Ergebnis der Erosion der Bestimmungen der Arbeitsrechts5 (Deregulierung) (Stichwort: Kündigungsschutz, Arbeitnehmerüberlassungsgesetz ...) , andererseits Ausdruck des Faktischen, Ausdruck eines Kräfteverhältnisses zwischen Kapital und Arbeit, mit den Gewerkschaften und dem Staat in einer Rolle, in der sie Arbeitsplätze sichern um den Preis, daß sich die Bedingungen verschlechtern.

Call Center – und das betrifft jetzt Themenschwerpunkt Nummer zwei – bieten ein besonders dankbares Beispiel, um die Entwicklung der Veränderungen in der Arbeitswelt zu illustrieren. In diesem Bereich lassen sich einige Zusammenhänge besonders deutlich erkennen. Dort sind zudem Studis ganz besonders gern gesehen [Zahlen], und sie lassen sich als generalisierungsfähiges Beispiel auffassen. Generalisierungsfähig in dem Sinne., daß derartige Unternehmensstrategien der Kostensenkung auch in anderen Branchen erkennbar sind. Aber auch bzgl. der Call Center sei das caveat eingefügt, daß natürlich nicht alle Call Center-Arbeitsplätze miserabel und in der gleichen Weise miserabel sind.

Call Center als Auswirkung von volks- und betriebswirtschaftlichen Phänomenen, die als Postfordismus bezeichnet werden, als Ergebnis unternehmerischer Strategien der Kostensenkung zu Lasten der abhängig Beschäftigten, anders gesagt, zu Lasten breiter Bevölkerungsschichten, zu denen wir gehören.

Aspekte der Krise des Fordismus, die wir für das Call Center-Phänomen heranziehen können:

(a) Wegen systemischer Grenzen anderer Wachstumspotentiale (Differenzierung von Märkten, Überakkumulation) verlangt die »Expansionslogik der kapitalistischen Wirtschaftsweise« verstärkt nach Kostensenkung in einer Situation, in der Stückkostensenkung durch Skalenökonomie nicht mehr funktioniert. Tendenz zur Flexibilisierung und Lohnkostensenkung.

(b) Kostensenkung erfolgt zudem durch Veränderungen der Arbeits- und Produktionsorganisation: dezentrale Netzwerke, Kombination von toyotistischen Strategien (flache Hierarchien, Einbindung der Arbeitskräfte z.B. durch Teams, die eigene Verantwortungen übertragen bekommen, arbeitsrechtliche Statusse der Scheinselbständigkeit und Honorartätigkeit (»Provisionsbasis«, leistungsabhängige Bezahlung) und tayloristischen Strategien der Überwachung und Leistungskontrolle sowie der gezielten Dequalifizierung der Arbeitskräfte (bzw. -plätze) durch stringente Durchorganisierung der Arbeitsabläufe und Entscheidungsprozesse (durch Erarbeitung und Umsetzung sog. work flows), dies alles insbesondere gestützt bzw. unterstützt durch neuartige Technologien (der Telekommunikation und Multimediaanwendungen). Produktionsorganisation durch Outsourcing und Neustrukturierungen von ganzen Unternehmensbereichen sowie Zusammenlegung ursprünglich getrennter Abteilungen z.B. in der Anzeigenannahme, dem Telephonbanking, der Bestellungsannahme von Versandhäusern, der Kundenbetreuung u.s.w. So kann jetzt ein einziger zentraler Call Center das gesamte Anzeigengeschäft eines Großverlags (und anderer Zeitungen in deren Auftrag) erledigen, wo vorher jede zur Verlagsgruppe gehörende Zeitung ihre eigene Anzeigenabteilung hatte. Das spart Kosten. Oftmals werden darüber hinaus noch Hierarchien der Bearbeitung eingezogen, sog. 2-Level-Call-Center. Der eine Bereich erledigt die standardisierbaren (bzw. standardisierten) Aufgaben, anspruchsvollere Tätigkeit (Beratung von Anzeigengroßkunden) erledigt das höhere Level oder das Back Office. Tarifflucht als Mittel zur Personalkostensenkung und Flexibilisierung der Belegschaft. (So gesehen sind hohe Fluktuationsraten u. geeigneten Umständen auch positiver Faktor für Unternehmen.) Neuartige arbeitsrechtliche Konstruktionen wie das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (relevant für Zeitarbeitsfirmen) tun ihr übriges in diesem Zusammenhang.

(c) Die sog. Krise des Fordismus äußert sich zudem in hohen Arbeitslosenraten, die die Sozialkassen vor Probleme stellen und den Solidarkonsens bedrohen. Regierungen (jedweder Couleur) geraten auf die angebotsorientierte Schiene der Wirtschaftspolitik6, soll heißen, unternehmerfreundliche Politik, Erosion von arbeitsrechtlichen Schutzbestimmungen, Kürzungen von Sozialleistungen zur Entlastung der Kassen u.s.w., nur um ja neue Arbeitsplätze zu bekommen bzw. zu erhoffen.

1. Standortkonkurrenz auf Länderebene- Initiativen von Bundesländern/ Wirtschaftsministerin und regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaften (Werbung; Ansiedlungsunterstützung; Qualifizierung (nötig?)
Übernahme von Schulungskosten)
2. finanzielle Unterstützung von Investitionen im Call Center-Bereich aus öffentlichen Mitteln. Besonders große Förderung in Ostdeutschland
- Aufweichung von arbeitsrechtlichen Bestimmungen
- aktive Beteiligung der Bundesländer an Ausdehnung prekärer Beschäftigungsverhältnisse
3. Ideologischer Hintergrund
4. Call Center Branche paßt bestens zu Schlagwörtern wie "Innovation" und "Multimedia", Modernisierung des "Standorts Deutschlands". Problematisierung der Annahme, durch Call Center Branche würden neue Arbeitsplätze entstehen.
[Ich denke, daß das ganze noch mit einigen Beispielen illustriert werden sollte, damit es nicht so trocken ist. Mir ist ganz egal, welche das sind. Es finden sich ja ein paar in meinem Artikelteil (z.B. das berühmt-berüchtigte Steinbrück-Zitat).]7

(d) Weitere Faktoren, nur kurz genannt: hohe Mobilität von Kapital und Produktionsmitteln, Globalisierung und Standortwettbewerb, staatliche Rolle der Standortsicherung bzw. Garantierung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit.

(e) Wichtig hier für uns: Konsequenz der systematischen Schwächung der politischen Macht der Klasse oder Schicht der Lohnabhängigen, strategische Schwächung der Gewerkschaften, Demokratieverlust im Sinne von Mitbestimmung und materieller Partizipation bzw. ansatzweiser Verteilungsgerechtigkeit. Ergebnis und permanente Bedrohung für Beschäftigungsverhältnisse: prekäre Arbeitsverhältnisse und Ausdehnung des prekären, ungeschützten, Niedriglohn u.s.w. Sektors, zunehmend diskontinuierliche Biographien8, Erhöhung persönlicher Unsicherheit und Unplanbarkeit Zugleich aber besteht nebenher das Normalbeschäftigungsverhältnis als Herausbildung der Neuen Mitte, es besteht hier Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft (sog. 2/3-Gesellschaft). (Gegensatz innen/außen, wo die »innen« immer fürchten müssen, nach »außen« abgedrängt zu werden, die »außen« wiederum suchen die Ursache bei ihrem eigenen Versagen ...)

(f) Zunehmende Bedeutung von Kundenbindung und –gewinnung sowie insgesamt Marketing und Marktforschung. Hier sind Call Center ein wichtiges Instrument.

Auf zwei Punkte möchten wir nochmals etwas eingehen:

Zurück zu den Studis, und zu den Erfahrungen, die wir als kleine und bislang mit eher sehr geringen (personellen, zeitlichen, finanziellen) Ressourcen ausgestattete Gruppe gemacht haben, den Call Center-Bereich zu untersuchen und die Möglichkeiten konkreter Organisierungsversuche zu sondieren, grob gesagt, Versuche zu unternehmen, etwas in Richtung Verbesserung, Veränderung, Politisierung auf den Weg zu bringen.

Unsere Ergebnisse sind sicher nicht in jeder Hinsicht repräsentativ. Das macht aber gar nichts, da der CC-Bereich in sich heterogen ist, und so der Anspruch der realistischen statistischen Durchschnittsgrößen unangebracht ist.

Wir wollten wissen:

Wie sind die Bedingungen, in subjektiver Sicht der dort Beschäftigten, die wir mobilisieren konnten, zu unserer Veranstaltung zu kommen, (bzw. teils von uns selbst)?

Was sind die konkreten Probleme und Schwierigkeiten, die bestehen?

Wir fanden:

Erfordernis kollektiver Strukturen.



1»Staatliche Förderung nach dem BAföG: Die Förderung nach dem BAföG wurde 1997 von deutlich weniger Studierenden in Anspruch genommen als 1994. In den alten Ländern ist der Anteil der BAföG-Empfänger von 30% auf 21% und in den neuen Ländern von 58% auf 34% gesunken. Die Förderungsbeträge, die den geförderten Studierenden zur Verfügung stehen, fallen hingegen 1997 im Durchschnitt höher aus als 1994. In den alten Ländern sind sie von 604 DM auf 642 DM und in den neuen Ländern von 455 DM auf 549 DM gestiegen. Der statistische Anteil der BAföG-Mittel an den monatlichen Gesamteinnahmen der Studierende der unteren sozialen Herkunftsgruppe beläuft sich 1997 auf 25%, 1982 lag er bei 46%.« (Erhebung des Studentenwerks für das Jahr 1997, zitiert nach der »Zusammenfassung«)

2»Beitrag der Eltern: Der Anteil Studierender, die von den Eltern finanziell unterstützt werden, ist bundesweit leicht gestiegen - in den alten Ländern von 83% auf 86% und in den neuen Ländern von 86% auf 90%. Die Beträge, die diesen Studierenden durchschnittlich zur Verfügung gestellt werden, sind in den alten Ländern praktisch gleichgeblieben (1994: 780 DM, 1997: 791 DM), während in den neuen Ländern die Elternleistung sich von 510 DM auf 657 DM erhöht hat.
Der Umfang der elterlichen Unterstützung wird insbesondere von der sozialen Herkunft und dem Alter der Studierenden beeinflußt: Mit der sozialen Herkunft steigt sowohl der Anteil der von den Eltern alimentierten Studierenden als auch die Höhe des Unterhaltsbeitrags. Mit zunehmendem Alter der Studierenden verringert sich der Anteil, der von den Eltern unterstützt wird, und der Unterhaltsbetrag wird ebenfalls geringer.
Wenn bundesweit 86% der Studierenden mit durchschnittlich 722 DM von den Eltern unterstützt werden, ist dabei zu beachten, daß sich dieser Betrag schätzungsweise zu 35% aus staatlicherseits gewährten Entlastungen für unterhaltspflichtige Eltern (Kindergeld/Kinderfreibetrag, Ausbildungsfreibetrag) und zu 65% aus Eigenmitteln der Eltern zusammensetzt.
Ein Vergleich der von den Eltern im Einzelfall gewährten Beträge und der geschätzten staatlichen Transferleistung zu Gunsten der Eltern führt zu dem Ergebnis, daß 90% der Studierenden mit Beträgen alimentiert werden, die höher sind als die geschätzten Transferleistungen. Immerhin 10% der Studierenden werden mit Beträgen unterstützt, die geringer sind als der den Eltern gewährte Transferbetrag.
Auch hinsichtlich der Gesamtleistung der Familien werden nach einer vorsichtigen Schätzung, bei der der BAföG-Bedarfsatz als Maßstab einer ausreichenden Versorgung angenommen wurde, mindestens 175.000 außerhalb des Elternhauses wohnende Studierende von ihren Familien nicht angemessen unterstützt.« (Erhebung des Studentenwerks für das Jahr 1997, zitiert nach der »Zusammenfassung«)

3»Selbstfinanzierung - eigener Verdienst: Der Anteil der Studierenden, die mit eigenem Verdienst zur Unterhaltsfinanzierung beitragen, hat sich im Zeitraum 1994-1997 in den alten Ländern von 67% auf 69% und in den neuen Ländern von 49% auf 56% erhöht. Der durchschnittliche Zuverdienst ist sowohl in den alten Ländern (von 557 DM auf 635 DM) als auch in den neuen Ländern (von 331 DM auf 417 DM) angewachsen.
Der Umfang der Selbstfinanzierung ist insbesondere vom Alter der Studierenden abhängig. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Studierenden mit eigenem Verdienst, und es erhöht sich der Durchschnittsbetrag des Verdienstes: von 42% mit 338 DM in der Altersgruppe der bis 21jährigen auf 83% mit 1.015 DM in der Altersgruppe der 30jährigen und älteren.
Mit der altersabhängigen Steigerung der Zuverdienste wird die rückläufige Elternunterstützung kompensiert und gleichzeitig der Betrag der monatlichen Gesamteinnahmen erhöht. Folglich findet auch eine Überkompensation der abnehmenden Grundsicherung statt, die zu einem großen Teil auf mit dem Alter steigende Ansprüche an das Lebenshaltungsniveau zu erklären ist.« (Erhebung des Studentenwerks für das Jahr 1997, zitiert nach der »Zusammenfassung«)

4Bzw. der niedrigsten.

5Gemeint ist natürlich nicht, daß sich arbeitsrechtliche Standards unter dem Einfluß von Wind und Wetter verändern, sondern Ergebnis einer Politik ist, die so glaubt, mehr Beschäftigung herbeizuführen.

6Ich spreche hier zunächst nur von der Seite wirtschaftspolitischer Konzepte, Liberalismus vs. Keynesianismus. Damit ist noch nichts über deren Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit gesagt und noch nichts über deren Motivationen. Ich will hier also keiner keynesianischen Politik von R. Reagan das Wort reden, deren Staatsverschuldung in die Rüstung investiert.

7Siehe z.B.: Felix Wuertenberger: »Werben um High-Tech-Firmen«, in: taz berlin vom 8.7.2000, Seite 24:
»Berlin darf den Boom bei den neuen Technologien nicht verschlafen.« Das sagte Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) gestern bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz der Wirtschaftsförderung Berlin (WFB). Die Gesellschaft, die zu großen Teilen der Industrie-und Handelskammer gehört, erhält unter anderem Zuschüsse vom Land. Die WFB kümmert sich derzeit verstärkt um die Ansiedlung von Unternehmen des Kommunikations- und Dienstleistungssektors.
Und das mit gutem Erfolg, sagt Geschäftsführer Hans Estermann. Etwa 3.500 Arbeitsplätze habe die WFB im ersten Halbjahr 2000 nach Berlin geholt, die Mehrzahl bei Informationstechnologien sowie Call-Centern und anderen Dienstleistungen. [...]
Bei der PDS betrachtet man die Arbeit der WFB mit großer Skepsis. Ihr wirtschaftspolitischer Sprecher Stefan Liebich hält die Gesellschaft für ›einen einzigen Etikettenschwindel‹. Eigentlich werde Wirtschaftsförderung in erster Linie vom Senat und der Investitionsbank betrieben und nur in geringen Teil von der WFB. Die PDS setzt sich daher für die Kürzung der Mittel ein, die die Gesellschaft vom Land Berlin erhält, dieses Jahr immerhin über 7 Millionen Mark. [...]«

8Daß dies in den jeweiligen Einzelfällen auch positiv als höhere Freiheit beschrieben werden kann, soll nicht bestritten werden.



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