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»die arbeit ist super, der lohn stimmt, stress ist kein thema!«

Offene Call-Center-Agent-Treffen für alle, die nicht völlig einverstanden sind.

Wir schreiben das Jahr Zweitausendundeins: In allen Call Centern herrschen Ruhe und Kundenorientierung. Dienstbeflissen, immer freundlich, fügsam und bescheiden arbeiten TelefonistInnen tag und nacht wie die Weltmeister, um Servicelevel und Akquiseziele hoch zu halten: Alles zum Wohle der Kunden und ihrer unauflöslichen Bindung an den Auftraggeber: Und noch dazu ganz preiswert!

Wenn das so ist, kann natürlich kein Unternehmen hinter der jeweiligen Konkurrenz zurückstehen, und so schießen Call Center aus dem Boden wie Pilze nach warmem Regen. Viele Call Center werden durch direkte Subventionen, durch staatlich finanzierte Qualifizierungsinfrastrukturen und Modell-Call-Center, durch Lohnsubventionen bis über 50 % des Bruttolohnes, Marketingmaßnahmen der Länder und Aufweichung der Arbeitsschutzbestimmungen bezuschusst.

Außerdem pressen Arbeits- und Sozialämter Erwerbslose in die Call Center. So werden Beschäftigungsverhältnisse staatlich gefördert, die für die dort Arbeitenden oft weit schlechtere Bedingungen bedeuten, als andere Jobs. Aber auch die relativ »besseren« Bürojobs kommen durch die Call Center unter Druck: Durch sie ist bewiesen, dass auch Büroarbeit standardisiert, rationalisiert und verdichtet werden kann. Nun rauchen die Köpfe in den Führungsetagen, wie Elemente der Arbeitsorganisation in Call Centern auch auf Büroarbeiten ohne direkten Kundenkontakt übertragen werden können.

Die Landesregierungen fördern Call Center bedingungslos, die Gewerkschaften sind kaum vertreten. Zur Verbesserung der Situation bleiben also die Kirchen als Bündnispartnerinnen gegen Sonntagsarbeit und – wir, Telefonistinnen, Interviewer und Kundenberaterinnen: die Call Center Agents selbst.

Dass wir für unsere Arbeit bezahlt werden – viel zu schlecht bezahlt werden – bedeutet nicht, dass wir uns alles gefallen lassen müssen. Es wird sich nur etwas zum Besseren ändern, wenn Agents ihre Ansprüche an Leben und Lohnarbeit endlich auch gegen oben vertreten. Seit April 2000 laden wir von der Call Center Offensive immer wieder Agents zu offenen Treffen ein [eine kurze Selbstdarstellung findet Ihr auf der Rückseite]. Diese Treffen beginnen mit einem kurzen Einstiegsreferat zum jeweiligen Thema. Daran schloss sich meist ein Erfahrungsaustausch über die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen in den verschiedenen Berliner Call Centern an, aus dem sich Diskussionen entwickelten, die dem besseren Verständnis der Situation in den Call Centern und der Klärung von Handlungsmöglichkeiten darin dienten. Dadurch, dass wir diese offenen Agenttreffen jetzt monatlich durchführen, wollen wir ein regelmäßiges Forum zum Austausch von Call Center Agents und zur Organisierung von Kämpfen anbieten. Für die Veranstaltung und die nächsten sechs offenen Agenttreffen haben wir Themen ausgewählt, die sich um Handlungsmöglichkeiten in Call-Center-Arbeit drehen, zentrale Probleme der Call-Center-Arbeit ansprechen oder Rahmenbedingungen möglicher Konflikte im Call Center darstellen.

Wir freuen uns auf interessierte Call Center Agents und vorwärtsweisende Diskussionen und hoffen, dass es uns gemeinsam gelingt, die Ruhe in den Call Centern zu brechen.

[zu dem Terminen]



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