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»Männer sind so«: sexuelle Belästigung am Telefon

13.12.2001, 19:30, Zielona Gòra, Grünberger Str.73, Berlin Friedrichshain

Du gehst zur Arbeit und weißt: Wieder werden eine Reihe von Männern anrufen und Dir was vorstöhnen: Arbeitsalltag im Call Center. Pech, wenn Du eine kostenlose Servicehotline telefonierst. Pech, wenn die Nachtschicht an Dir hängen geblieben ist. Pech, wenn die Hotline im RTL2-Nachtprogramm beworben wird. Pech, wenn Du Telefonistin bist.

Die Welt ist, wie sie ist: »Männer sind so,« und in Call Centern arbeiten vor allem Frauen. Das wissen auch die Stöhner. Das Management stellt gern Frauen ein: Weil sie so flexibel sind. Und so stressresistent. Und so gut zuhören können.

Bei AudioService dürfen sich Telefonistinnen nicht weigern, Projekte zu telefonieren, bei denen besonders häufig Männer anrufen und zudringlich werden. Sie dürfen aber im Einzelfall das Gespräche deswegen abbrechen. Wer bei ADM für Tele2 telefonierte, musste bis vor kurzem auch im Fall sexueller Belästigung sagen: »Wie ich höre haben Sie kein Interesse am billiger Telefonieren mit Tele 2, auf Wiederhören!« Tatsächlich wurde die Einhaltung dieser Arbeitsanordnung allerdings nicht durchgesetzt.

Anrufer, die keine andere Absicht haben, als am anderen Ende der Leitung eine Frau sexuell zu belästigen, sind das eine. Andere Kunden werden erst im Verlauf des Gesprächs beleidigend, um ihr jeweiliges Interesse durchzusetzen, und bedienen sich dabei einer sexistischen Sprache, weil's besser trifft.

Man könnte meinen, dass es im Fall sexistischer Übergriffe durch Kunden leichter ist, das Management auf die eigene Seite zu ziehen, als etwa im Fall eines sexuellen Übergriffs durch einen Vorgesetzten. Aber dem Auftraggeber sind alle potentiell zahlungskräftigen Kunden gleich recht, sie müssen gehalten bzw. gewonnen werden: totale Kundenorientierung erfordert, die Interessen der Arbeiterinnen zurückzustellen. So gesehen scheinen die Interessen der Unternehmerseite klar.

Und was ist mit den Interessen der Telefonistinnen? Wir wollen bei diesem Agenttreffen (Eure) Erfahrungen mit sexistischer Anmache ansprechen und mit Euch die Frage diskutieren, warum sich dagegen offenbar kein Widerstand regt. Warum ging bei ADM nie eine Gruppe zum Management und sagte: Wir sagen diesen Spruch nicht mehr auf. Warum forderte noch niemand technische oder juristische Konsequenzen? Wir wollen mit Euch über Möglichkeiten diskutieren, sich in solchen Fällen zu wehren.

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