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Berliner Kurier, 03.11.2001

Call-Center machte dicht – und 100 Leute warten auf ihren Lohn

BERLIN – 100 Telefoninterviewer um 200 000 Mark geprellt: Das US-Call-Center »Modalis« hat seine Berliner Filiale geschlossen, doch Mitarbeiter warten noch auf Geld. Ihr Berliner Ex-Chef schiebt die Schuld auf die US-Zentrale.

Matthew Heaney (22) aus Friedrichshain ist stocksauer. »Modalis schuldet mir noch 2300 Mark«, sagt der englische Kunst-Student, »das Honorar von Juni und Juli.« Der belgischen HU-Studentin Leen Lambers (23) schuldet »Modalis« noch 1300 Mark.

20 »Modalis«-Opfer wollen nun gegen alle ehemaligen Chefs Anzeige erstatten – auch gegen Hans-Jürgen Schmolke, den Ex-Geschäftsführer von »Modalis Europe«. Schmolke, der jetzt das Call-Center »Metafacts« betreibt, bestätigt die ausstehenden Honorare.

Doch die Verantwortung weist er von sich: »Mich hat der Modalis-Vorstand doch auch entlassen – im Juli!« Die Schuld liege bei US-Chef Bill MacElroy, der die Europa-Niederlassung zugemacht hat: »Da wurden Absprachen gesprochen, die die Amerikaner nicht gehalten haben.« MacElroy, der den Interviewern am 26. Juli schriftlich zusicherte, seine Schulden bis 15. August zu bezahlen, reagierte nicht auf die E-Mail vom KURIER.

Jetzt beauftragen die »Modalis«-Opfer einen Gewerkschaftsanwalt, der sich mit US-Klagen auskennt.

Heaney: »Wir geben nicht auf, zeigen alle in Frage kommenden Manager an.« Der Anwalt soll auch klären, ob die Geprellten MacElroy auch in Deutschland verklagen können – denn eine US-Klage könnte teuer werden.

Justizpressesprecherin Ilona Wiese: »Solche Probleme haben wir zunehmend mit der Globalisierung.«

Thilo Baum



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