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Weniger Arbeit - mehr Geld!

Jede/r, der/die schon einmal fünf Stunden Outbound gemacht hat, weiß es, es ist die pure Plackerei, permanent Leute anzurufen, die meistens nichts von einem wissen wollen, und anscheinend gar kein Interesse haben, die neue Pro-Markt-Werbung zu beurteilen oder ihre politische Meinung zu hohlen Fragen abzugeben.

Kein Wunder, dass der Arbeitseifer irgendwann nachlässt und man selber seine ewig gleichen Floskeln und Überzeugungstricks nicht mehr hören kann. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt war dies allerdings nicht so wild, man hat einfach ein paar Minuten Pause zwischen jedem Interview gemacht, mal ein Schwätzchen über Wichtigeres gehalten oder die Zeitung weitergelesen, jeder Arbeitstag geht irgendwann zu Ende. Der Wendepunkt, der alle nervt, ist mittlerweile Standard in sog. Markt- und Meinungsforschungsinstituten (Forsa, Inra, Infratest ...): Die zynisch so bezeichnete »leistungbezogene und damit gerechtere Entlohnung«.
In der Fabrik bezeichnet man es als Akkordlohn, ein alter Mann hat es Stücklohn genannt. Die moderne Variante heißt Provisionsbasis. Ab dann geht das Spielchen los. Man geht nicht mehr aufs Klo, die fünf Minuten Pause pro Stunde lässt man auch sausen, es könnte einem vielleicht ein Interview durch die Lappen gehen.
Die Konzepte sind unterschiedlich. Entweder man bekommt ein paar Mark pro Vertrag oder Interview, oder man hat ein Lohnsystem, wo du nochmal in den direkten Vergleich mit deinen KollegInnen gesetzt wirst.
Die Folge ist immer dieselbe: Erhöhter Arbeitsstress für einen Lohn, den man kaum kalkulieren kann und wo man sich super reinknien muss, damit ein bisschen was rumkommt.

Was kann man da also machen?
Eine Möglichkeit, die leider viel zu selten angewandt wird, ist die kollektive Absprache. Jede/r kann sich ausrechnen, dass man die Lohnunterschiede schon erheblich einschränken kann, wenn es die gemeinsame Entscheidung gibt, nicht mehr als z.B. fünf Interviews pro Stunde zu machen. So gibt es bei Meinungsforschungsinsituten häufig ein kompliziert gemachtes Entlohnungssystem, wo nicht von vorneherein feststeht, wieviel man pro Interview bekommt, sondern der Lohn über den Vergleich mit allen anderen, die an dem gleichen »Projekt« arbeiten, errechnet wird, was den Konkurrenzdruck zusätzlich steigern soll.

Regelmäßig ist es so, dass bei der Stücklohn-Bezahlung die Call-Center-Chefs mit Löhnen winken, die den Job lukrativer erscheinen lassen, als manch anderen. Doch Hand aufs Herz. Wer schafft es (und wer will das schon), 25 Menschen in einer fünfstündigen Schicht zu überzeugen, gefälligst Aktiv Plus zu ihrem Telekom-Vertrag zu buchen, um dann auf 20 bis 25 Mark die Stunde zu kommen.

Unsere Erfahrungen sind die, dass der Lohn bei den meisten sinkt wenn auf Akkordbasis gearbeitet wird. Gleichzeitig steigt die Produktivität für die Geschäftsführung. Das heißt, sie verdient mehr, wir aber weniger, um nichts anderes geht es letztendlich auch im Kapitalismus.

Wir meinen, dass man den Spieß auch umdrehen kann. Bei Meinungsforschungsinstituten z.B. gibt es diverse Tricks. So man kann ein Interview auch selber zu Ende führen, wenn am anderen Ende der Leitung schon niemand mehr mit einem spricht. Die kollektive Absprache ist nicht immer leicht, wenn 20 Leute in dem Büro sitzen und alle wann anders Pause machen, wenn überhaupt. Einen Versuch ist es jedoch wert. Eine Möglichkeit sind außerdem die regelmäßigen Call-Center-Agent-Treffen oder hier über die Website zu agieren. Schreibt uns!



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