home

Gekündigt, gekickt, gefeuert?

Grundsätzlich:

Bei Kündigungen immer Rechtsbeistand nehmen und innerhalb von 3 Wochen Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht (Magdeburger Platz, Tiergarten) veranlassen. (Diese Klage könnt Ihr zunächst auch ohne Anwalt einreichen.) Als Rechtsbeistand empfiehlt sich die Gewerkschaft, wenn ihr eine Rechtsschutzversicherung oder viel Geld habt, nehmt Euch einen Anwalt. Es ist vorteilhaft, wenn sich mehrere/alle Leute vom selben Anwalt vertreten lassen. Der Anwalt des Ex-Arbeitgebers wird in jedem Fall versuchen, die Leute gegeneinander auszuspielen, was sich negativ auf die Höhe der Abfindungssummen auswirken kann.

Selbst bei betriebsbedingter und fristgerechter Kündigung habt Ihr relativ gute Aussichten. Voraussetzung ist allerdings, dass Ihr wenigsten 6 Monate beschäftigt ward (gilt auch für Teilzeit). Ob der Arbeitsvertrag Eure Beschäftigung als reguläres Beschäftigungsverhältnis deklariert, ist dabei unerheblich. Ebenso wenig ist Euer eventueller StudentInnenstatus ein Problem. Entscheidend ist, dass ihr regelmäßig für den Betrieb tätig ward – z.B. in Schichpläne eingetragen ward. Mit zunehmender Beschäftigungsdauer über diese 6 Monate hinaus verlängern sich die gesetzlichen Kündigungsfristen stufenweise (und damit der Streitwert vor Gericht).

Alle zusätzliche Vereinbarungen, die Ihr unterschreibt, etwa des Inhalts, dass man in ein Tagesarbeitsverhältnis einwilligt, oder dass beide Seiten arbeitsvertragliche oder arbeitserchtliche Bestimmung aufheben, verschlechtern Eure Verhandlungsposition vor Gericht. Für alle Fälle also immer Schichteinteilungen und Lohnabrechnungen kopieren und aufbewahren, oder auch formelle Vorankündigungen von (bezahlten wie unbezahltem) Urlaub.

Wichtig v.a. für Nicht-StudentInnen, für Leute, die Anspruch auf SozH oder ALG haben:

Nach der Kündigung sollte man sich auf jeden Fall sofort arbeitslos melden! Falls Du einen Prozess auf Wiedereinstellung gewinnst, kann Dir der Arbeitgeber einen Strick daraus drehen, wenn Du nicht alle Ansprüche auf anderweitiges Geld geltend gemacht hast. Er müsste dann nur noch den Differenzbetrag zahlen. (Z.B. 900 DM Monatslohn, aber entgangener Anspruch auf ALG von 800 DM monatlich der Arbeitgeber muss nur 100 DM monatlich nachzahlen).

Das weitere Prozedere:

Ihr klagt zunächst mal auf Wiedereinstellung, denn im Zweifelsfall seid Ihr grundsätzlich zu Unrecht gekündigt worden. (Es sei denn es liegt ein fristloser Kündigungsgrund vor, wie etwa Diebstahl im Betrieb). Das absolute Minimum sind also die Löhne bis zum Ende der Kündigungsfrist (mindestens vier Wochen) und die anteiligen Urlaubsansprüche des Kalenderjahres. (Vorteilhaft ist, auch noch eine Bescheinigung über genommenen Urlaub zu besitzen.) Dazu kommen rückwirkend Ansprüche für Zeiten der krankheitsbedingten Erwerbsunfähigkeit. Dazu braucht Ihr allerdings Atteste. Darüber hinaus habt Ihr Chancen, eine Abfindung zu bekommen. Die Chancen sind umso größer, je mehr Angriffspunkte sich bieten, die Rechtmäßigkeit anzufechten. Lautet die Begründung auf »betriebsbedingt« müssen Zahlen offengelegt werden. Abmahnungen, die Ihr vorher erhaltet, solltet Ihr allerdings schon vorher anfechten. Außerdem spielen Kriterien der Sozialauswahl eine Rolle – hätte nicht statt meiner ein/e andere/r gekündigt werden müssen? – auch wenn's formell etwas unsolidarisch gestrickt ist.

Wenn es nicht bereits vor oder während der laufenden Verhandlung zu einer »gütlichen Einigung« (bei einem sog. Gütetermin) kommt, liegt ein Kammertermin vor dem Arbeitsgericht vor Euch. Das dauert 1 bis 3 Monate. Für den Zeitraum, in dem Ihr keine neue Beschäftigung aufnehmen konntet bzw. aufgenommen habt, muss der Ex-Arbeitgeber für den entstehenden Lohnausfall aufkommen, wenn das Gericht zu Euren Gunsten entscheidet.

Arbeitskraft anbieten:

Wer die Kündigung nicht schriftlich hat, muss hingehen und seine Arbeitskraft anbieten und – lassen sie Dich nicht rein – auf schriftliche Kündigung bestehen. Unbedingt eine/n Zeugen/in mitnehmen. In der Woche ruhig häufiger seine Arbeitskraft anbieten. Das Beste ist, die Arbeitskraft schriftlich per Einschreiben anzubieten.

Höhe der Abfindungen:

Wenn es nicht doch noch zur Wiedereinstellung kommt, steht am Ende die Abfindung, die zwar nicht mit einem Lottogewinn mithalten kann, die man aber auch nicht verschenken sollte. Faustregel: 1/2 Monatslohn mal Anzahl der Beschäftigungsjahre + anteiliger Urlaubsanspruch + Lohn während der Kündigungsfrist sind das Mindeste.

Letztendlich ist dies immer der nervige juristische Weg, der aber häufig nicht ausbleibt, wenn noch etwas rumkommen soll. Allerdings muss man ja nicht sofort den Arbeitsplatz verlassen, wenn man gekündigt wird. KollegInnen müssen schließlich noch informiert werden und vielleicht geht sonst noch was ...



startseite · wer wir sind · mailto:info@callcenteroffensive.de · veranstaltungshinweise · arbeitskämpfe · beschreibungen berliner call center · rechtshilfe · publikationen zum thema · links · impressum