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14.03.2001

Kündigungen bei Hotline

Die Hotline Kommunikationsdienste GmbH (Grünberger Str. 54, 10245 Berlin) betreibt einen Call Center mit derzeit ca. 140 Beschäftigten, davon 20 bis 30 festangestellt, die übrigen in Teilzeit und überwiegend StudentInnen. Nachdem im Laufe des vergangenen Dezember 60 Agents aufgrund schwacher Auftragslage - wie es hieß - entlassen wurden, entstand in den Reihen der studentischen Beschäftigten eine konspirative Betriebsratsinitiative. Die Geschäftsführung blockierte jedoch die Aufforderung der IG Medien, zwecks der Wahl eines Wahlausschusses (für die BR-Wahl) eine Betriebsversammlung einzuberufen. Statt dessen lud sie selbst für Ende Januar zu einer Belegschaftsversammlung ein, auf der erstmals die Vor -und Nachteile eines Betriebsrats erörtert werden sollten. Auf dieser sprachen sich die Geschäftsführung und mehrere Teamleiter vehement gegen die Bildung eines Betriebsrats aus, während einige Leute aus der Initiative offen für eine Betriebsratsgründung plädierten. Wenig später brachten Festangestellte ein eigenes Flugblatt heraus, in dem gegen eine Betriebsratsgründung argumentiert wird.

Am 2. Februar folgte eine weitere Gesprächsrunde. Dort wollten sich sich die Mitglieder der Betriebsratsinitiative nicht auf den Vorschlag der Chefetage eines »Personalgremiums« einlassen. Nachdem vier Mitglieder der Initiative eine von ihnen unterzeichnete Einladung für eine Betriebsversammlung zur Wahl eines Wahlausschusses vorlegten, dauerte es keine fünf Minuten und sie waren entlassen und mit einem Hausverbot belegt. Seitdem hat die Geschäftsführung mindestens 23 Agents gefeuert, teils fristlos.

Damit war das Ringen um einen Betriebsrat noch nicht ausgestanden. Mehrere Teamleiter und Agents, die sich vorher noch vehement gegen die Einrichtung eines Betriebsrats ausgesprochen hatten, luden nun ihrerseits zu einer Betriebsversammlung für den folgenden Dienstag ein, auf der nun doch ein Wahlausschuss (für die Betriebsratswahl) gewählt werden sollte. Es schien, als ob die sich Geschäftsführung des Themas durch ein von oben eingesetztes Gremium entledigen wollte. Gewählt wurden letztendlich drei Agents, von denen zwei auch das Vertrauen der Gekündigten genießen. Darüber hinaus forderten die Anwesenden einstimmig die Geschäftsführung auf, sämtliche erfolgten Kündigungen zurückzunehmen.

Vor den Toren der Hotline fand währenddessen die zweite Kundgebung zur Unterstützung der »oppositionellen« Agents statt, diesmal mit den Entlassenen. Auch Gekündigte haben das Recht, als nicht wahlberechtigte ArbeitnehmerInnen an einer Betriebsversammlung teilnehmen. Dies wurde ihnen jedoch verwehrt. Die Geschäftsführung erteilte allen entlassenen Agents, die teilnehmen wollten, ein Hausverbot.

Fast (?) alle Betroffenen haben umgehend Kündigungsschutzklagen eingereicht. Den Verbliebenen hat die Geschäftsführung inzwischen leichte Verbesserungen des Vertrags angekündigt. Das betrifft die Urlaubsgeldregelung und eine Garantie, dass das Unternehmen den Teilzeitkräften mindestens zwei Arbeitsschichten pro Woche anbieten muss. Bisher mussten sich die Agents einseitig verpflichten, mindestens drei Schichten wöchentlich zu übernehmen.

Eine andere Neuregelung sorgt dagegen für Unmut unter den Beschäftigten. Die Geschäftsführung hat neuerdings verbindliche wöchentliche einstündige Betriebsversammlungen eingeführt, und zwar unbezahlt. Viele Unterredungspunkte betreffen jedoch - so die Agents - organisatorische Fragen, die also als »Schulung« aufzufassen sind. Schulungen müssen laut Vertrag aber entlohnt werden. Für Abwesenheit bedarf es des ärztlichen Attests. Parallel stellt der Betrieb vermehrt vom Arbeitsamt vermittelte UmschülerInnen zu günstigen Lohnkosten ein.

Die Geschäftsleitung hat mittlerweile einigen der Gekündigten eine Wiedereinstellung angeboten. Viele befürchten jetzt nach der Neueinstellung Mobbing gegen ihre Person. Viele Beschäftigte berichten über willkürliche Schikanen. Das heißt, die Hürden, die zukünftige engagierte Betriebsratsmitglieder überwinden müssen, sind derzeit hoch.



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