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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir, die – aus »individuellen Gründen« – gekündigten MitarbeiterInnen der Hotline freuen uns sehr über die Ergebnisse der letzten MitarbeiterInnenversammlung. Durch die Wahl eines Wahlvorstandes ist die Belegschaft der Hotline einem BETRIEBSRAT ein großes Stück näher gekommen. Den BETRIEBSRAT, der von einer überwältigen Mehrheit der Belegschaft gewollt wurde, haben wir uns gemeinsam erkämpft. Die Aussage der Geschäftsführung, »daß es in der Hotline niemals einen BETRIEBSRAT geben wird« wird sich nicht bewahrheiten!

Bedanken möchten wir uns auch für die Petition, in der Ihr unsere Wiedereinstellung fordert. Auch wenn diese bisher von der Geschäftsführung wohl noch nicht kommentiert worden ist, freuen wir uns über dieses Zeichen der Solidarität. Der Versuch die Belegschaft zu spalten ist gescheitert!

Durch den öffentlichen Druck von außerhalb und durch die betriebsinterne Kritik sah sich die Hotline gezwungen, nicht nur einen Wahlvorstand zuzulassen, sondern auch andere Veränderungen vorzunehmen. Der Arbeitsvertrag ist nach unserer Rechtsauffassung1 durch eine Gesetzesänderung zum 1. Januar ungültig geworden. Für unserer Wiedereinstellung hatten wir schon eine Klage gegen unsere Arbeitsverträge geplant, auch um den gesetzlichen Anspruch von Beschäftigten auf bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durchzusetzen. Die Hotline kommt dem eventuell zuvor; über jede Verbesserung in der Hotline freuen wir uns. Auch wenn die Geschäftsführung sicher anderes behauptet: eventuelle Verbesserungen der studentischen Arbeitsverträge sind auch ein Erfolg des Widerstands im CallCenter. Da ein BETRIEBSRAT in absehbarer Zukunft seine Arbeit aufnimmt, muß die Hotline gesetzliche Mindestanforderungen in die Verträge aufnehmen.

Praktische Betriebsratsarbeit ist in erster Linie Information, deswegen noch ein paar kleine Tips1, auf die Euch die »Eure Interessen am besten vertretende Geschäftsführung« sicher auch schon hingewiesen hat:

Die Geschäftsführung hat Recht, wenn sie feststellt, daß neben den formalen Bedingungen in einem Unternehmen der persönliche Umgang untereinander sehr wichtig ist. Die Arbeitsbedingungen waren uns ja schon zu unserer Einstellung bekannt, aber die stetige Verschlechterung im Umgang mit dem Personal, führte auch zu unserem Widerstand. Niemand von uns hatte im Sommer letzten Jahres vor, seinen Job zu riskieren, um einen BETRIEBSRAT zu gründen. Aber die subtilen Drohungen in den angeNEHMen Einzelgesprächen, die permanente Angst vor Kündigungen, der Psychoterror, kurz: die »Erfahrungen«,die jedeR in der Hotline gemacht hat, motivierten uns doch gewaltig.

Gegen diese Formen des Mobbing kann mensch sich schwer alleine wehren. Nur lauter Protest gegen solche Maßnahmen kann dem/der Einzelnen helfen. Laßt Eure KollegInnen nicht im Stich! Auch diejenigen, die sich durch »Loyalität zur Geschäftsführung« sicher fühlen, sollten an die Erfahrungen in der Hotline denken. Der Wind dreht sich schnell, viele MitarbeiterInnen ließen sich nach »Besprechungen« »freiwillig« degradieren, kündigten »freiwillig« oder wurden aus »objektiven Gründen« gekündigt. Nicht nur Agents!

Die Geschäftsführung hat viele Möglichkeiten, die »Wahrheit« zu verkaufen. Kritischer Umgang damit ist unabdingbar. Auch gegen die gekündigten MitarbeiterInnen wird gehetzt. Die »linke« Hotline beschimpft uns als »Friedrichshainer und Kreuzberger Autonome« und will uns mit Strafanzeigen wegen Geheimnisverrat belästigen. Darüber können wir nur lachen, aber wenn sich die Hotline damit brüstet, den Staatsschutz eingeschaltet zu haben, dann verläßt sie als erste die Ebene eines Betriebskampfes. Wir haben keine Lust, daß unsere Namen, Adressen und Telefonnummern an politische Abteilungen der Polizei, die mit nachrichtendienstlichen Mitteln operieren, weitergeleitet werden. Dagegen werden wir uns wehren!

Wir wissen, daß viele von Euch kündigen wollen. Bleibt in der Hotline (solange es geht)! Wir haben uns bessere Arbeitsbedingungen erkämpft, die Atmosphäre wird sich normalisieren. Der Widerstand war mühsam, aber er hat sich gelohnt. Vielleicht wird die Hotline irgendwann einmal wirklich zum »besten CallCenter Berlins«!?! UND: Wir gehen natürlich davon aus, daß wir unsere Wiedereinstellung vor Gericht durchsetzen und dann würden wir uns freuen, mit all den netten KollegInnen zusammenzuarbeiten, die schon immer das besondere an der Hotline waren (und nicht der kostenlose Kaffee).

Wir möchten Euch herzlich zu unserer Soliparty für die gekündigten Beschäftigten der Hotline einladen. Termin und Ort (stehen noch nicht fest) durch email-Kontakt.

Außerdem lädt die CallCenterOffensive zu einer Informationsveranstalung ein: »Grenzen und Möglichkeiten von Betriebsräten in CallCentern mit überwiegend prekär Beschäftigten«, Donnerstag, den 08. März, 19 Uhr, Kato (unterm U-Bahnhof Schlesisches Tor). Mehr Infos unter: www.callcenteroffensive.de

1Alle Äußerungen sind unsere Rechtsauffassung. Wir sind keine Rechtsanwälte, die Angaben sind selbstverständlich ohne Garantie. Gerne helfen wir bis zur Existenz eines BETRIEBSRATes Kontakt zu ArbeitsrechtlerInnen herzustellen. email an: cyberguerilla@gmx.de.



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