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30.10.2001

Die neuen Emnid-Betriebsvereinbarungen ...
und was wirklich dahintersteckt:

»Der 12 DM-Mindestlohn wird nicht mehr ausgezahlt«. Diese Information gibt Frau Hoffer vom Interviewertelefon zurzeit jedem/jeder, der/die es wissen will. Auch die SupervisorInnen drucksen sich um konkrete Antworten herum: Mal heißt es, sie wissen es nicht genau, mal heißt es schwammig: »Ich glaube, es gibt so zwischen 11 und 13 Mark Mindestlohn – je nach Studie«.

Hintergrund sind die neuen »Vereinbarungen über die Zusammenarbeit mit Telefon-Interviewern«. Vor einigen Wochen taten sich in Bielefeld mehrere InterviewerInnen zusammen und verklagten Emnid. Sie waren der Meinung, reguläre ArbeitnehmerInnen und nicht etwa »freie MitarbeiterInnen« zu seien. Um der Klage (und der Niederlage) vor dem Arbeitsgericht zu entgehen, bot Emnid ihnen einen Vergleich und 24 bezahlte Urlaubstage pro Jahr an. Da die Geschäftsleitung weiß, dass dieses und andere Rechte eigentlich jedem/jeder InterviewerIn zustehen, wird nun im Nachhinein versucht, die bisherigen Arbeitsbedingungen zumindestens umzuschreiben – auch wenn sich bezüglich des Arbeitsablaufes eigentlich nicht viel ändert.

Die neuen Vereinbarungen haben also nicht das Ziel, die InterviewerInnen »vor der Scheinselbständigkeit und den damit verbundenen Nachteilen zu schützen«! Vielmehr schützt sich Emnid selbst davor, seinen MitarbeiterInnen das zu zahlen, was ihnen eigentlich zusteht. Aus den neuen Verträgen erwachsen also NUR NACHTEILE und KEINERLEI VORTEILE: Es besteht kein Rechtsanspruch mehr (beziehungsweise wird es wesentlich schwerer, ihn gerichtlich durchzusetzen) auf Mindestlohn, Urlaubsgeld, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Kündigungsschutz.

Bisher ist noch nicht klar, wie Emnid darauf reagiert, wenn InterviewerInnen ihnen die Unterschrift auf ihre Verträge verweigern, und viele haben sicherlich schon unterzeichnet – aus Unwissenheit darüber, wie sehr dies ihren Status verschlechtert.

Wer näheres zum Thema »Arbeitsrecht in Call-Centern« erfahren will, dem/der empfehlen wir, am 8. November zur Veranstaltung der Call Center Offensive zu kommen und sich über seine/ihre Rechte schlau zu machen. Im Anschluss an die Veranstaltung würden wir uns gerne mit anderen Emnid-Agents darüber austauschen, ob und wie wir auf die neuen Vereinbarungen reagieren können.

Nähere Infos zu Emnid und weiteren Call-Centern: www.callcenteroffensive.de

Anfragen (gerne auch Erfahrungsberichte) an: info@callcenteroffensive.de

8.11.2001: »Der Rechtsweg ist nicht ausgeschlossen«

Offenes Treffen für Call Center Agents und InterviewerInnen

Um 19:30 h im Zielona Gora - Grünberger Straße 73 - Berlin-Friedrichshain.

Verbindung: U/S Warschauer Straße; U5 Samariterstraße; Bus 240 Boxhagener Platz bzw. Simon-Dach-Str.; Tram 20 Grünberger Str./Warschauer Str.

V.i.S.d.P.: Kuno Schrader, Skalitzer Str.64; 10997 Berlin




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