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30.04.2001

Emnid schafft Grundlohn ab

Emnid beabsichtigt, ab Juni in ihrem Berliner Telefonstudio am Wittenbergplatz den bislang gewährten Sockelbetrag eines leistungsunabhängigen Mindeststundenlohns von 12 DM abzuschaffen. Stattdessen soll nur noch pro vollständig durchgeführtem Interview bezahlt werden. Die Höhe der Stücklöhne wird vermutlich wie vorher auch schwanken und wegen unterschiedlicher Kalkulationsmanöver schwer zu durchschauen sein.

Eigentlich ist InterviewerIn ja der Auffassung, dass einem/r das egal sein könnte. Schließlich ist InterviewerIn bei emnid, weil man/frau da (scheinbar/manchmal) mehr verdienen kann als die in anderen Call Centern üblichen 16 oder 17 Mark in der Stunde. Doch, wie letztens Viafon-Chefin Anne Stahl-Weiss in der Berliner MoPo äußerte, die Preise je Call seien stark »unter Druck«. Eben das versucht emnid jetzt wohl an die InterviewerInnen weiterzugeben ... (... oder ist's nur pure Profitgier?) Schließlich überwog das Arbeitskräfteangebot bei emnid in den letzten Semesterferien die Nachfrage sichtbar: die lange Schlange der Leute, die schon um 16:45 für einen Telefonplatz anstanden, blieb bis zuletzt erhalten, auch wenn gegen Ferienende nur wenige mit 20 DM »Abfindung« nach Hause geschickt werden.

Andererseits ist die Lohnkürzung zusammen mit der Einführung der Heimarbeitsplätze in Berlin wohl so eine Art Modellprojekt, das schon länger geplant wurde. Im Göttinger Telefonstudio z.B. herrscht derzeít eher Arbeitskräftemangel, dort bleibt der Grundlohn vorerst erhalten und es werden dort auch keine Heimarbeitsplätze angeboten. Zudem bekommen die Supervisors in Göttingen wesentlich mehr als nur die lächerlichen 17,07 DM/Stunde, wie es in Berlin der Fall ist. Das heißt also auch, dass die einheitliche Bezahlung der InterviewerInnen in allen Telefonstudios von emnid mit der Abschaffung des Grundlohns in Berlin möglicherweise gegessen ist. Also: Lohnstaffelung je nach regional üblichen Lohnniveaus? Ob die Bezahlung von vielen Studien so schlecht bleibt wie im April, bleibt abzuwarten. Dann hat die Lohnkürzung durch Abschaffung des Grundlohns für alle InterviewerInnen deutlich spürbare Folgen. Denn ein großer Anteil der InterviewerInnen verdient im Durchschnitt nur 13 bis 14 DM/Stunde. Ohne die 12 DM Grundlohn steht zu befürchten, dass ihr Lohn auf einen Durchschnitt unter 12 DM/Stunde absinkt. Die Interviewhonorare sollen zwar laut Emnid steigen, aber wer soll das wie überprüfen und vor allem: wer soll das warum glauben?



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