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30.07.2003

Wie zufrieden sind Sie ...

mit der Streichung der Aufwandsentschädigung?

Vermutlich haben es inzwischen alle Emnid-Interviewer mitgekriegt: Seit dem 1. Juli 03 zahlt Emnid keine »Aufwandsentschädigung« mehr, die bisher einen Mindestverdienst von ca. sechs Euro pro Stunde gewährleistete. Eine »Schonfrist« von sechs Monaten gilt lediglich für neue Mitarbeiter. Logisch: Wer würde schon in einem Job anfangen, in dem nicht klar ist, ob man überhaupt etwas verdient? Das heißt aber nicht, dass die »Neuen« von der Regelung nicht betroffen sind: Die Grenze von sechs Euro war bisher ein Mindestmaß für die Honorarberechnung. Mit dem Wegfall dieser Untergrenze ist absehbar, dass die Honorare generell sinken werden. Hinzu kommt, dass mit der Einführung der neuen Software ab August nur noch an die Interviewer durchgestellt wird, wenn tatsächlich jemand abnimmt. Die Erfolgsquote dürfte damit zwar steigen, ebenso aber der Stress während die Honorare entsprechend nach unten »angepasst« werden. Auch für die »Neuen« gilt damit: Wer mehr als die sechs Euro verdienen will (und wer will das nicht?), soll sich der Firmenpolitik fügen: Mehr Arbeit für weniger Geld.

mit der Emnid-Salamitaktik?

Offensichtlich hat man in der Emnid-Chefetage geahnt, dass die Interviewer das Scheinargument der »Honorargerechtigkeit« nicht widerspruchslos schlucken werden, obwohl die Streichung so kurz und beiläufig wie möglich angekündigt wurde. Auffällig ist, dass die Honorare seitdem in die Höhe geschnellt sind. Es ist jedoch vorhersehbar, dass die Bezahlung in ein paar Monaten, wenn die neue Regelung und die neue Software Normalität geworden sind, wieder das alte - oder sogar ein niedrigeres - Niveau erreichen wird. Ähnlich verhält es sich mit der Handhabung, dass die Interviewer bei einem Verdienst unter sechs Euro/Stunde um Ausgleich bitten können und dieser bisher auch gewährt wurde: Erstens trauen sich dies nicht alle, und es ist absehbar, dass die Bedingungen für den Zahlung des Ausgleichs bald anziehen werden. Sonst würde sich die Änderung für Emnid ja nicht rentieren.

dass die Kollegen gegeneinander ausgespielt werden sollen?

Diese »kulante« Regelung hat es ohnehin in sich: Die Ausgleichszahlung im Einzelfall wird von einer Überprüfung der Anrufstatistik abhängig gemacht. Nach nur vage definierten Kriterien soll nur dann gezahlt werden, wenn genug »Leistung« gebracht wurde. Das Prinzip ist von der Uni bekannt: Wenn in einer Klausur eine Durchfallquote von z.B. 30% eingeplant ist, können sich die Studis noch so anstrengen, irgendwer wird immer im unteren Drittel landen, und im nächsten Jahr werden die Anforderungen weiter hochgeschraubt. Für Emnid bedeutet dieses Prinzip, dass sich die Interviewer gegenseitig unter Konkurrenzdruck setzen und damit freiwillig (?!?) selbst daran mitarbeiten sollen, immer härtere »Leistungs«-Kriterien durchzusetzen. Das einzige bisher vorgebrachte Argument der »Honorargerechtigkeit« schlägt in die gleiche Kerbe: Es soll der Eindruck erzeugt werden, »faule« Mitarbeiter seien an der Streichung der Aufwandsentschädigung oder niedrigen Honoraren schuld. Das Geld, das Emnid nun einspart, wird sich jedoch wohl kaum in den Honoraren wiederfinden, sondern in der Firmenbilanz. Und es gibt weitere Unterscheidungskriterien, anhand derer die Interviewer gegeneinander ausgespielt werden sollen: »Neue« gegen langjährige Mitarbeiter, B2B gegen Abendbereich und nicht zuletzt die einzelnen Studios untereinander.

Wir sind VOLLKOMMEN UNZUFRIEDEN!

Interviewer in allen Studios fordern die Rückkehr zur alten Regelung der Aufwandsentschädigung. Betroffen von der Kürzungsstrategie sind wir alle, und wir lassen uns weder von Betriebspsychologie beschwichtigen noch spalten!

Her mit der Aufwandsentschädigung sofort!

Die Emnid-Belegschaft, Juli 2003

Die Studioleitung Göttingen hat zugesagt, demnächst eine Veranstaltung zur neuen Regelung durchzuführen. Achtet auf Ankündigungen!



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