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15.04.01

Die CCO zu Besuch bei adm

Am Montag, dem 9. April 01, waren fünf AktivistInnen der CCO zu Besuch in den Hallen der adm in der Voltastraße, Berlin Wedding. Vorangegangen war eine zufällige Begegnung der »dritten Art«. Die Geschäftsleitung suchte den Dialog – ganz ohne Marketing – mit zwei FlugblattverteilerInnen der CCO, die vor dem Betriebsgelände zum regelmäßigen Treffen für Arbeitende aus Call Centern einluden. (Die Flugblätter waren auf der Rückseite mit einem an die adm-Agents gericheteten Text versehen.) Dabei zeigte sie sich sehr neugierig und in unseren Augen leicht naiv: »Wer ist euer Vorsitzender? Ihr werdet doch von der PDS finanziert?!« Nur die Frage, ob unser Headquarter in Pjöngyang oder doch eher in Havanna sitzt, blieb aus. Man bot den beiden AktivistInnen in einem Gespräch an, unser angeblich völlig falsches Bild von der (Un-)Zufriedenheit der Belegschaft durch eine Werkbesichtigung zu revidieren.

Nach interner Rücksprache in direkter und basisbewußter Demokratie wurde für den besagten Montag vereinbart, eine maximal fünfköpfige Delegation als Besuchergruppe durch die Räumlichkeiten zu führen, um uns an der Seite einer ebenso fünfköpfigen Delegation der Chefetage von den guten Beschäftigungsbedingungen zu überzeugen. Wir hatten es überdies im Vorfeld nicht versäumt, richtig zu stellen, daß wir uns in keiner Weise als tarifpartnerlicher Verhandlungsführer verstehen, sondern als direkte Call-Center-Agent-Organisation von unten. Für uns bot sich also eine willkommene Gelegenheit, direkt mit den Agents in Kontakt zu treten, was von der adm-Geschäftsführung leider etwas unentspannt beantwortet wurde. Das von uns im Inbound-Bereich verteilte Flugblatt (wiederum mit eigener Rückseite) ließ die Berufskommunizierer und Rhetorikkönige etwas ruppig und handgreiflich werden, der Ruf nach der Staatsgewalt verhallte ungehört. Danach wurde uns beleidigt Wortbruch vorgeworfen, wir hätten schließlich nur mit der Geschäftsführung zu kommunizieren. Hierin sind wir wohl mißverstanden worden. Unser Ansatz ist der, daß sich die Lohnabhängigen ganz altmodisch selber organisieren müssen, um ihre Ansprüche und Forderungen zu entwickeln und dies ganz lösungsorientiert – in unserem Sinne.

Für uns überraschend trafen wir inmitten des Getümmels zwei Gewerkschaftsekretäre der ver.di. Sie erzählten uns von Verhandlungen über einen Haustarifvertrag, worüber wir keine Kenntnis hatten. Wir halten es für ratsam, daß sich die Beschäftigten über den Stand der Verhandlungen und insbesondere über die Verhandlungsgrundlage sachkundig machen.

Wenige Stunden nach dem »Zwischenfall« verteilte die Geschäftsleitung zwei Schreiben an alle Beschäftigten. In einer Stellungnahme mißbilligt sie das Verhalten der CCO. Das zweite Schreiben stammt von der ver.di. Weil unsere (aus unserer Sicht harmlose) Aktion nicht mit ihnen abgestimmt war – schreiben sie – halten sie es für notwendig, sich ausdrücklich von »kontraproduktivem Aktionismus einzelner« zu distanzieren.

Tatsache ist, daß einer Kollegin noch am gleichen Tag gekündigt wurde, vermutlich da sie in in den Verdacht geriet, Kontakte zu uns zu unterhalten. Die Loyalität der Agents gegenüber »ihrem« Betrieb kann getrost als Angst vor Schikane und Willkür gedeutet werden. An alle adm'lerInnen, die diese Zeilen lesen, sei noch einmal gesagt, daß es wichtig ist, eure Telefonnummern und e-Mailadressen auszutauschen. Stellt Kontakt zu Gekündigten her und erzählt ihnen von den geplanten Treffen. Und zuletzt: Schönen Dank für die aufmunternden e-Mails, die wir von euch erhalten haben!



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