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Warum man sich auf keinen Fall auf Abfindungen von 300 DM einlassen sollte ...

In den letzten Wochen hat die adm GmbH mehr als 6 Agents teilweise überraschend gekündigt. Es gehen Gerüchte um, dassnoch weitere Kündigungen anstehen. Zugleich versucht die Geschäftsleitung, Agents mit dem Angebot lächerlich geringer Abfindungen (300 DM) zum Gehen zu bewegen. Die durch die drohende Kündigungswelle entstehende Verunsicherung nutzt die Geschäftsleitung, um Druck auf die Agents auszuüben. So wird durch Aushänge (»Wer das Betriebsklima stört, muß gehen«) eine Atmosphäre der Einschüchterung geschürt.

Diese Methoden passen gut zur allgemeinen Geschäftspolitik von adm, der Hire and fire-Praxis, mit der sie u.a. versuchen, den Agents ein möglichst hohes Arbeitspensum abzupressen. Die Arbeitsverträge bei adm sind ein Musterbeispiel für prekäre Beschäftigungsverhältnisse (Kündigungsfrist von einem Tag - aber 6 Monate Probezeit, kein bezahlter Urlaub, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine bezahlten Pausen). Der Arbeitsalltag ist durch Stechuhren, penible Kontrolle der Arbeitsleistung und »Qualitätskontrolle« (d.h. unangekündigtes Abhören von Telefongesprächen, Testanrufen seitens der Auftraggeber usw.) geprägt. Dazu kommen in letzter Zeit noch neue schikanöse Vorschriften, wie die, dass man bei flauer Telefonleitung nicht mehr lesen darf.

Angesichts dieser Situation überrascht es nicht, dass sich Unmut bei den Agents regt. Einige diskutieren bereits, was man gegen die miesen Arbeitsbedingungen bei adm und die Willkür der Geschäftsleitung unternehmen kann.

Gegenwehr lohnt sich! Z.B. können Agents, die schon länger bei adm arbeiten, durch Klagen eine Abfindung rausholen, die weit höher als 300 DM liegt. Das Management weiss, dass Agents sich Urlaubs- und Krankengeld nach Kündigungen nachträglich einklagen können und zahlt daher lieber hohe Abfindungen als es auf einen Prozeß ankommen zu lassen.

Die Chancen, etwas gegen die Geschäftsleitung durchzusetzen, werden um so größer sein, je mehr Leute sich gemeinsam wehren. Das muß nicht nur juristisch Durchsetzbares sein. Wenn die Geschäftsleitung merkt, dass es unruhig wird, dass Leute absichtlich langsam arbeiten und sich untereinander absprechen, werden sie lieber die Arbeitsbedingungen verbessern als eine »Störung des Betriebsfriedens« zu riskieren. Überdies hat sich in anderen Fällen (z.B. Hotline) gezeigt, dass Call Center-Betreiber nicht unbedingt scharf drauf sind, dass ihre skandalösen Arbeitsbedingungen in das Rampenlicht der Öffentlichkeit geraten. Ebensowenig sind sie daran interessiert, dass ihre AuftraggeberInnen mitkriegen, dass es Konflikte mit den Agents gibt. Es gibt also viele Möglichkeiten, Druck zu erzeugen!



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